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Gottesdienste
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Mittwoch 20.00 Uhr

Die Senfkornbegegnung

15.05.2024

Eine handvoll (5) Fragen und ebenso viele Anmerkungen zum Besuch des Bezirksapostelhelfers João Uanuque Misselo in Liestal sowie Impressionen des Besuchs von Bezirksapostel Mark Woll am selben Mittwochabend in der Kirche Basel.

Am Mittwochabend vor Pfingsten sind in den neuapostolischen Kirchen in Basel und Liestal jeweils ausländische Besucher eingeladen: In Basel trifft Bezirksapostel Mark Woll aus Kanada auf die versammelten Kirchgemeinden Allschwil, Basel, Oberwil, Reinach (BL) und Riehen. In Liestal feiert Bezirksapostelhelfer João Uanuque Misselo Gottesdienst mit den Gemeinden Liestal, Rheinfelden (AG) und Stein.

 

Lieber Bezirksapostelhelfer, wie war Deine Anreise zu uns?
Bezirksapostelhelfer Misselo: Wir sind gestern Abend von Luanda, der Hauptstadt von Angola, nach rund acht Stunden Flugzeit in Lissabon angekommen. Heute Morgen ging die Reise weiter nach Zürich, wo wir kurz nach der Mittagszeit angekommen sind. Es blieb kurz Zeit, um das Hotel zu beziehen und zu duschen, und schon wurden wir von den beiden Fahrerinnen abgeholt. Nun sind wir nach zweieinhalb Stunden (verkehrsbedingt, Strecke Zürich-Sissach, Anmerkung der Redaktion) hier angekommen. Ich bin etwas müde, aber ich hoffe, das ändert sich bis zum Gottesdienst! (Augenzwinkern). Am Pfingstsonntag schliesslich werden wir unverzüglich nach dem Gottesdienst unsere Rückreise antreten.

Wie sieht Deine familiäre Situation aus?
Auf Wunsch einer meiner bisherigen Bezirksapostel bin ich vor vielen Jahren von der Provinz in die Hauptstadt Luanda umgezogen, um von dort aus meine Tätigkeit als Apostel wahrzunehmen. Meine Frau Elisabeth und ich haben zehn Kinder; sechs Töchter und vier Söhne – Afrika! (Wieder ein Augenzwinkern). Das älteste Kind ist bereits über 30 Jahre alt und vom jüngsten Sohn, ein Nachzügler, hier ein Foto auf meinem Handy (er zeigt ein Bild eines ca. 8 – 9-jährigen Jungen). Wir sind bereits mehrfach Grosseltern.

Wie sieht die neuapostolische Kirche in Angola aus?
Angefangen hat es in den 1980er Jahren. Heute betreuen wir fast 300‘0000 Glaubensgeschwister. Es wirken rund 7‘000 Geistliche in über 2‘200 Kirchgemeinden. Mit mir dienen 17 Apostel in Angola.

Brauchst Du viele verschiedene Sprachen?
Die Amtssprache ist portugiesisch, ich diene oft in dieser Sprache und werde in den Gottesdiensten in die verschiedenen Regionalsprachen übersetzt. Selber spreche ich neben Portugiesisch auch acht Regionalsprachen. Vor vielen Jahren dachte ich, es sei wichtig Deutsch zu lernen, und habe auch damit begonnen! Da sagte der damalige Bezirksapostel Brinkman „Halt! Das ist viel zu schwierig, lerne besser Englisch!“ zu mir.
Anmerkung: dieses Interview wird auf Französisch geführt. Teils hilft der am Tisch sitzende Übersetzer, der später am Abend den Gottesdienst von Portugiesisch auf Deutsch übersetzen wird.

Bist Du viel unterwegs und mit welchen Verkehrsmitteln?
Oh ja, ich bin viel unterwegs. Oft reisen wir mit dem Auto, einem Land Cruiser, oder mit dem Motorrad. Manchmal brauchen wir in die Provinzen ein Flugzeug. Ausgangspunkt der Reisen ist immer die Hauptstadt Luanda. Dabei kommt es vor, dass ich meine Familie bis zu zwei Monaten nicht sehe, bis ich wieder zu Hause bin. Es gibt Situationen, da bin ich zwölf Stunden unterwegs und bin dabei 260 (!) Kilometer weit gekommen. Vor Kurzem war mein Bezirksapostel in Angola und wir waren innert weniger Tage 2‘000 Kilometer unterwegs mit bis zu 3 Gottesdiensten am Tag.
Im Monat halte ich in der Regel 20 Gottesdienste und mehr, selbstverständlich nicht alle an einem Sonntag. Je nach Reiseverlauf kann es sein, dass wir fast jeden Tag Gottesdienst feiern. Es gibt Regionen, da sind die Gotteskinder weit verstreut.

 Eine handvoll Anmerkungen: 

  1. Der Bezirksapostelhelfer Misselo war vor dem Abendgottesdienst etwas mehr als eine Stunde beim Bezirksvorsteher zu Hause, wo er mit dem Übersetzer (Portugiesisch – Deutsch) bekannt gemacht wurde. Die Gäste waren der Bezirksapostelhelfer Misselo, seine Gattin, der Übersetzer und die beiden Fahrerinnen. Der Bezirksapostelhelfer sprach das Tischgebet und dankte für den „reich gedeckten Tisch“ (es gab eine kleine Verpflegung). Im Gebet legte er die Bitte: „Lieber Gott, dass doch auch am heutigen Tag alle anvertrauten Gotteskinder eine Speise haben“! Es wird uns Europäer*innen bewusst, das das nicht selbstverständlich ist.
  2. Obwohl wir uns vorher noch nie gesehen hatten und es am Tisch ein Sprachendurcheinander (Deutsch, Portugiesisch, Französisch, Englisch, Mundart) gab, sodass sich nicht jede*r direkt mit der Tischnachbar*in verständigen konnte, haben wir alle eine gemeinsame Sprache, die uns verbindet: die Sprache des Herzens.
  3. Das Gottesdiensterleben in der Kirchgemeinde Liestal – Nichts zeugt mehr von der Müdigkeit, sowohl der Bezirksapostelhelfer als auch der Übersetzer sind erfrischend und lebendig! Die Predigt handelt vom Gleichnis des kleinen Senfkorns, der zu einem grossen Baum wird, worin auch Vögel Schutz und Zuflucht finden können. Unabhängig von den unterschiedlichen Kulturen und Herkünften ist erlebbar, dass alle Gottesdienstteilnehmenden einen Glauben, einen Erlöser und ein Ziel haben! Das zu spüren tut gut, stärkt und verbindet.
  4. Der Bezirksapostelhelfer betet unter anderem auch für die Dirigent*innen, die Sänger*innen und den Organisten. Auch da zeigt sich für uns Europäer*innen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Natürlich hat sich der Apostel darüber gefreut, dass der Chor mehrsprachig gesungen hat, darunter auch in Sprachen, die er ohne Übersetzung verstehen konnte. Wer genau beobachtet hat, konnte erkennen, wie der Bezirksapostelhelfer mit dem Zeigefinger dem Text im Gesangbuch gefolgt ist. Jedenfalls hat er tatkräftig mitgesungen, die Melodie war kein Problem. Wir haben dann nach dem Gottesdienst auch seine Begeisterung für das Musikalische festgestellt, als er erzählte, dass auch er früher Dirigent war.
  5. „Rolf, ich kehre zurück nach Hause (Angola) und werde diesen Ort hier nie vergessen, die Gemeinde hat mir viel Kraft gegeben.“ So verabschieden wir uns mit einer herzlichen Umarmung. Danke, lieber Bezirksapostelhelfer Misselo! Welch ein Glaube, welch ein Gottvertrauen, welch eine Kraft und welch eine Lebensfreude! Danke Afrika, danke Angola!

In der Kirche Basel waren fünf Gemeinden vereint, als Bezirksapostel Mark Woll zu Besuch kam. Vor dem Gottesdienst fand ein kurzes Interview statt, welches aus dem Englischen auf Deutsch übersetzt wurde. Ein paar Impressionen aus Bezirksapostel Woll’s Antworten:

  • "Als Bezirksapostel arbeite ich sieben Tage die Woche und bin nicht selten vier Wochen nacheinander weg von zu Hause; auf Reisen in Afrika, Indien, Sri Lanka und so weiter. Mein Zahnarzt sagte mir kürzlich, dass er meinen Beruf haben möchte, dann könnte er nämlich die Welt erkunden. Darauf entgegnete ich ihm, dass ich seinen Beruf haben möchte, dann wäre ich mehr zu Hause. Aber… als Seelsorger habe ich trotzdem den schönsten Job der Welt!"
  • "Als ich kürzlich einer Frau in Zentralafrika gesagt habe, dass Afrikaner glücklichere Menschen seien als Kanadier, war diese ganz erstaunt. Sie fragte, wie das denn sein könne – Kanadier hätten doch schöne Häuser, Autos, Zugang zu medizinischer Versorgung, müssten nicht zu Fuss gehen, hätten alles?. Doch in Kanada sind die Menschen so sehr auf das Materielle fokussiert, dass sie das Glücklichsein, die Freude, verloren haben. Das ist genau das, was bereits Jesus beschrieben hat: Das materielle übertüncht die Seele, und ich sage das immer den Jugendlichen: Arbeitet hart, aber lasst das Eure Seele nicht ‚übernehmen‘."

Fazit der beiden „Senfkornbegegnungen“: 1 Besucher kommt und berührt 100 Menschen!

Impressionen aus Liestal: rhu, Impressionen aus Basel: mwu, Redaktion: vdo, Bilder: tsc, jhu, nwu